"Nice Hand" - Video-Review mit den Profis (Stefan Huber 4/4): Interessantes Riverplay mit Justin "BoostedJ" Smith
Herzlich Willkommen zur 25. Ausgabe von "Nice Hand". In dieser Wochenrubrik hocken wir uns mit einem Poker-Profi vor den Computer und schauen uns ein Youtube-Video an; die Aufzeichnung einer besonders interessanten, lustigen oder sonstwie bemerkenswerten Hand. Dabei wollen wir erfahren, was der Pro von den gezeigten Moves hält, was man anders machen und sonst noch so alles daraus lernen kann.
Unser Gast im Mai heisst Stefan Huber. Seit die "Rundschau" dem 23-jährigen Poker-Genie ein fast zehnminütiges Porträt widmete (das Video gibt’s hier), kennt man den St. Galler auch abseits des Pokertischs. Innerhalb der Szene erlangte er aber in erster Linie aufgrund seiner Online-Erfolge Berühmheit. Als "YrrsiN" und "I'am_Sound" gehört Huber zur Weltelite der Online-Turnierspieler, seine Cashes summieren sich inzwischen auf mehrere hunderttausend Dollar. Im Januar dieses Jahres lieferte Huber auch seine Meisterprüfung als Live-Spieler ab; beim PCA auf den Bahamas setzte er sich im $5000-Sideevent gegen ein Weltklasse-Feld durch und sicherte sich den Titel und fast 300'000 Dollar Preisgeld. Im März liess er bei den EPT-Turnieren in Berlin und Saalbach zwei weitere dicke Cashes folgen und gehört damit zu den meistbeachteten Spielern in diesem Jahr. Wenn er nicht Poker spielt, brütet der Geografie-Student über seiner Abschlussarbeit, nach dem Bachelor soll die Konzentration dann für eine Weile nur dem Pokern gelten.
Verdankenswerterweise fand Stefan Huber zwischen Laptop und Lesesaal auch noch Zeit, für uns ein paar Hände zu analysieren. Wir haben ihm ein paar Szenen vom WPT Bellagio Cup 2009 vorgelegt, dessen Final Table mit Faraz Jaka, Erik Seidel, Alec Torelli, Justin Smith, Christopher Sonesson und Alexandre Gomes gleich mehrere absolute Weltklassespieler vereinte. Hinzu kam, dass sämtliche Spieler verhältnismässig deep unterwegs waren, sogar die Short Stacks hatten mehr als 20 Big Blinds vor sich stehen. Als die Blinds auf 20k/40k angestiegen waren, kam Justin Smith (1,12 Mio) langsam unter Zugzwang, fand im Cutoff mit 
aber glücklicherweise eine spielbare Hand. Und Erik Seidel tat ihm sogar den Gefallen, mit 
mit auf die Reise zu kommen…
Justin Smith macht hier mit 
lediglich einen Minraise auf 80’000. Da muss Erik Seidel eigentlich fast callen, oder?
Das ist halt so eine Sache. Wenn man lediglich die Pot Odds betrachtet, kann man einen Call sicher rechtfertigen, aber die Range an Händen, mit denen man hier callen kann, hängt halt auch von der Range an Händen ab, mit denen der Gegner diesen Minraise macht. Offensichtlich geht Erik Seidel hier davon aus, dass Justin Smith mit einer sehr breiten Range an Händen eröffnet, ansonsten würde er mit einer derart marginalen Hand kaum callen. Trotzdem gefällt mir der Call nicht besonders gut. Zum einen ist Justin Smith verhältnismässig short-stacked, was Seidels Implied Odds massiv reduziert, und auch abgesehen davon ist 
keine Hand, die ich gegen einen kompetenten Gegner out of position spielen möchte. Oft ist man dominiert, am Flop muss Seidel fast eher auf eine
hoffen als auf einen
.
Den Flop treffen beide. Seidel checkt, Smith spielt sein Top Pair an und Seidel callt. Muss er das, wenn er schon mit einer Hand wie 
defendet?
Ja, dieser Call ist einigermassen vertretbar. Es ist ja durchaus möglich, dass Smith diesen Flop verpasst hat, und Seidel hat immerhin Bottom Pair. Ausserdem spielt die gemeinsame Vergangenheit der beiden Spieler hier eine wichtige Rolle. Wenn Seidel beispielsweise bemerkt hat, dass Smith seine Bluffs oft schon am Turn aufgibt, dann kann er hier eher callen und darauf hoffen, dass die Hand danach runtergecheckt wird.
Am Turn sieht es ja dann aus Seidels Sicht auch danach aus, als würde Smith seinen Bluff aufgeben. Oder gibt es andere Gründe, warum dieser sein Top Pair behind checkt?
Smith dürfte inzwischen eine ziemlich klare Vorstellung von Seidels Hand haben. Dass er ein starkes
hat ist unwahrscheinlich, weil er damit vermutlich preflop schon geraist hätte, möglich sind also ein schwaches
, ein
oder eine
. Und von all diesen Händen bekommt er nicht auf allen drei Strassen Value. Ein Check behind macht also durchaus Sinn. Auch was Balancing betrifft, ist der Check eine gute Option. Wenn Smith immer nur mit schlechten Händen am Turn behind checkt, merken das die Gegner. Er muss also ab und zu auch einmal eine gute Hand behind checken, um keine Verhaltensmuster erkennbar werden zu lassen.
Also ein guter Check von Justin Smith.
Ich hätte hier trotzdem angespielt (lacht). Das Problem ist Smiths Stacksize. Er ist mit einem Stack von 28 Big Blinds in die Hand gestartet, damit befindet er sich bereits in einer Gegend, in der er mit seinen Spielzügen nur ein Ziel hat: Chips akkumulieren. Für tricky play und Balancing hat er inzwischen fast zuwenig Chips, er muss jetzt in erster Linie Value maximieren. Ich hätte hier so 180’000 gesetzt, in der Hoffnung, von einem schwachen
Action zu bekommen.
Worauf Smith mit seinem Check hinauswill, wird am River klar. Er overpusht, setzt 950’000 in einen Pot von 430’000 – und schickt Seidel damit in eine lange Denkpause. Was geht hier vor?
Ja, Smiths Linie am River finde ich ziemlich geil. Aus Seidels Sicht hat Smith entweder einen
oder gar nichts. Denn eine Hand, die dazwischen liegt, hätte er anders gespielt: Jedes starke
hätte er wohl am Turn erneut angespielt, und jedes schwache
würde er hier nie pushen, weil die Hand ja durchaus Showdown Value hat. Jetzt zahlt sich der Check am Turn aus, weil er Seidel komplett verwirrt, und dieser sich sogar zu überlegen scheint, mit seiner
zu callen.
Hat Smith keine Angst, dass Seidel einen
hält?
Das ist unwahrscheinlich. Aufgrund von Smiths Check am Turn geht Seidel davon aus, dass Smiths Hand Showdown Value hat, also würde er Trip Kings am River ziemlich sicher anspielen. Das Risiko, dass er hier mit einem misslungenen Check-Raise viel Value verschenkt, ist einfach zu gross. Darum kann sich Smith ziemlich sicher sein, dass Seidel keinen
hat. Und das ist ja gerade das Geniale daran: Seidel weiss, dass Smith ihm keinen
gibt. Darum sieht es danach aus, als würde Smith eine Bet machen, von der er weiss, dass Seidel sie nie wird callen können. Und so hofft er, dass Seidel sich irgendwie in einen Call reinlevelt.
Nachdem Seidel aber foldet, muss man sich fragen, ob Smith mit diesem Spielzug nicht doch etwas viel Value verschenkt hat.
Ja, ich denke eine grosse Bet würde hier ähnlich wirken wie ein Push, und die Wahrscheinlichkeit, dass Seidel callt, wäre bedeutend grösser. Wenn Smith beispielsweise 370’000 in den Pot von 430’000 reinbettet, denkt Seidel möglicherweise, er lasse sich genügend Chips übrig für den Fall, dass sein Bluff schief geht.
Stefan Huber, ganz herzlichen Dank, dass Du im Mai unser Gast warst. Für Deine weitere Karriere wünschen wir Dir viel Spass und Erfolg.








