Dienstag, 12. Januar 2010 - Poker-Legenden

Poker-Legenden Teil 6: Andy Beal

Andy Beal ist zurück in Las Vegas. Der schwerreiche Businessman, der von 2001 bis 2006 den Begriff "High Stakes" neu definierte, wurde im Bellagio Casino gesichtet. Der Beginn eines grossen Comebacks?

Von Lukas Hadorn

Was "BCT", ein Mitglied des Pokerforums Twoplustwo.com am Samstag in seine Tastatur tippte, dürfte so manchem Pokerfan einen wohligen Schauder bereitet haben: Er sei im Bellagio soeben auf einen alten Bekannten gestossen, so "BCT". Auf Andy Beal.

Genau. Diesen Andy Beal.


Der Mathematiker und Multimillionär aus Michigan (Beal Bank) schrieb vor einigen Jahren sein ganz persönliches Kapitel Poker-Geschichte. Im Jahr 2001 forderte er die besten Spieler der Welt dazu auf, in Limit-Hold’em-Heads-Up-Matches gegen ihn anzutreten. Vermutlich wusste Beal, dass er gegen Limit-Spezialisten wie Doyle und Todd Brunson, Ted Forrest, Howard Lederer und Jennifer Harman einen schweren Stand haben würde, darum setzte er die Blinds bei 50'000 und 100'000 Dollar an, in einer Höhe also, die selbst den weltbesten Spielern Unbehagen bereiten sollte. Der Plan war denkbar simpel: Ein Profi, der ausserhalb seiner finanziellen Comfort Zone spielt, ist nur halb so gut. Beal witterte seine Chance.

Unter der Federführung von Doyle Brunson nahm eine Gruppe von Spielern ("The Corporation") das Angebot an. Sie legten ihr Geld zusammen und traten in den darauffolgenden Jahren in unzähligen Duellen gegen den schwerreichen Banker an (dabei stiegen die Blinds bis auf $100’000/$200'000). Beal erwies sich als würdiger Gegner. Zwischenzeitlich hatte er der "Corporation" mehrere Millionen Dollar abgenommen (2001 soll er an einem Tag gegen Chip Reese, Hamid Dastmalchi, Gus Hansen und Jennifer Harman 11,6 Millionen Dollar gewonnen haben), und es sollte bis ins Jahr 2006 dauern, ehe die Pokerprofis den Triumph davontrugen. In einem dreitägigen Heads-Up-Marathon knöpfte Phil Ivey Andy Beal insgesamt 16,6 Millionen Dollar ab, und rettete damit die Ehre der "Corporation".

Wieviel die einzelnen Spieler genau gewannen und verloren, und wieviel Andy Beal letztendlich in Las Vegas liegen liess (das "Card Player Magazine" schreibt von 47 Millionen Dollar), ist Gegenstand von Gerüchten und Spekulationen. Im Buch "The Professor, the Banker, and the Suicide King" gibt Autor Michael Craig Details über die Duelle preis, die zwischen 2001 und 2004 stattfanden, über die Rematches im Jahr 2006 ist leider weniger bekannt.

Fest steht, dass kaum ein Profi in Las Vegas etwas dagegen haben dürfte, wenn Andy Beals Rückkehr an den Pokertisch von längerer Dauer wäre. Auch wenn eines klar ist: Billig wird es nicht.

 
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