Dienstag, 05. Januar 2010 - Poker-Legenden

Poker-Legenden Teil 5: Die "durrrr-Challenge"

Das Duell zwischen Tom Dwan und Patrik Antonius gehörte zu den grossen Stories von 2009. Dabei hielt die "durrrr Challenge" keineswegs, was sie versprach. Sie war ein Funken im Pulverfass. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Von Lukas Hadorn

Eine gute Quote wartet in der Pokerszene nicht lange auf einen Abnehmer. So war es auch, als Tom "durrrr" Dwan vor exakt einem Jahr den Reportern des BLUFF Magazine die Eckpunkte einer Heads-Up-Challenge in die Notizblöcke diktierte: "Wer an vier $200/$400-Tischen gleichzeitig gegen mich antritt, und über 50'000 Hände einen Profit rausschlagen kann, kriegt 1,5 Millionen Dollar obendrauf."

Sollte er selbst als Gewinner vom Tisch gehen, würde er sich mit einem Bonus von 500'000 Dollar begnügen, so Dwan. Was zwischen den Zeilen nichts anderes hiess als: "Ich bin drei Mal besser als alle anderen."

Dass Tom Dwan gut war, daran hatte zu diesem Zeitpunkt niemand einen Zweifel. Der 22-Jährige hatte sich im Internet einen Namen als furchtloser Heads-Up-Spieler gemacht und galt als einer jener Online-Profis, die kurz vor dem grossen Durchbruch standen. Dennoch meldeten sich mit Phil Ivey, David Benyamine und Patrik Antonius gleich drei Schwergewichte, die mit Dwan in den Ring steigen wollten. Der Finne durfte als Erster ran, und mit der ersten Session am 18. Februar 2009 begann in Sachen Online-Poker eine neue Zeitrechnung.

Interessanterweise stellte sich die "durrrr Challenge" als blosse Initialzündung heraus, als sprichwörtlicher Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Während das Duell selbst nur langsam voranging und ziemlich schnell an medialer Aufmerksamkeit einbüsste, ging an den High-Stakes-Tischen von Full Tilt Poker plötzlich die Post ab. Pot-Limit-Omaha-Partien mit Blinds von 500 und 1000 Dollar liefen fast rund um die Uhr, mit einer Mischung aus alten Hasen und neuen, zum Teil anonymen Glücksrittern ("martonas", "theASHMAN103", "Isildur1"), die den teuren Griff nach den Sternen wagten. Im Jahr 2009 wurden insgesamt 93 Online-Pots gespielt, in denen mehr als eine halbe Million Dollar lag. Noch im Vorjahr hatte die 500'000-Dollar-Marke als eine Art Schallmauer gegolten.

Laut Pokerscout.com stieg die Anzahl durchschnittlicher Spieler auf Full Tilt Poker alleine im zweiten Semester 2009 von rund 12'000 auf gegen 20'000 an. Daran dürfte die nervenaufreibende High-Stakes-Action, über die in den Pokermedien nun fast täglich berichtet wurde, ihren Anteil gehabt haben. Als Tom Dwan im November offiziell als "Full Tilt Redpro" vorgestellt wurde, glaubten manche sogar an ein von langer Hand geplantes Marketing-Spektakel.

Dass die "durrrr Challenge" derweil ich Schatten vor sich hin vegetierte, wurde zwar ab und zu hämisch kommentiert, schien aber niemanden wirklich zu stören. Dwan spielte inzwischen bei "High Stakes Poker" mit und lieferte sich in Europa Live-Duelle mit Profis vom alten Kontinent, die Railbirds waren mit dem Aufstieg und Fall von "Isildur1" beschäftigt und Patrik Antonius verdiente sein Geld auch ohne Dwans Zutun.

Erst gegen Ende Jahr kam noch einmal etwas Bewegung in die ganze Aktion, mit Ach und Krach näherten sich die Kontrahenten der Marke von 30'000 Händen.

Dwan liegt derzeit eine knappe Million im Plus, er hat also gute Chancen, die halbe Million Dollar Bonus einzustreichen. Wie lange das noch dauern wird, scheint ein Jahr nach Beginn der Challenge ungewisser denn je. Selbst die Wettsumme von 1,5 Millionen Dollar, die noch vor Jahresfrist so absurd hoch geschienen hatte, nimmt man inzwischen mit einem mitleidigen Lächeln zur Kenntnis, hatten "Isildur1" und Patrik Antonius doch in einer einzigen Hand um einen Betrag in dieser Grössenordnung gespielt ($1'356'947).

Die "durrrr Challenge" hat Poker-Geschichte geschrieben, das steht fest. Wer das Duell letztendlich gewinnt, ist zweitrangig. Etwas absurd, aber wahr.

 
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