"Nice Hand" - Video-Review mit den Profis (Markus Lehmann 3/4): Dünne Value Bets auf dem River
Herzlich Willkommen zur 7. Ausgabe von "Nice Hand". In dieser Wochenrubrik hocken wir uns mit einem Poker-Profi vor den Computer und schauen uns ein Youtube-Video an; die Aufzeichnung einer besonders interessanten, lustigen oder sonstwie bemerkenswerten Hand. Dabei wollen wir erfahren, was der Pro von den gezeigten Moves hält, was er anders gemacht hätte und was man sonst noch so alles daraus lernen kann.
Unser Profi im Januar heisst Markus Lehmann. Der gebürtige Deutsche, der schon an vielen schönen Orten der Welt gelebt hat - Monaco, Toscana, um nur einige zu nennen - lebt mittlerweile in der Schweiz. Seine Pokerkarriere begann bereits 1979, wobei er in der Zeit hauptsächlich sehr erfolgreich sein Unternehmen aufbaute. Anfang des neuen Jahrtausends wurde er, als er geschäftlich in den USA war, auf den neuen Pokerboom aufmerksam. Er investierte viel Zeit in das ausgiebige Studium modernen Pokers. Nach einigen Erfolgen bei den ersten Turnieren kam 2007 der Durchbruch mit dem Sieg der WPT Spanish Championship in Barcelona, als er sich am Final Table gegen Spieler wie Steve Sung und Gus Hansen durchsetzte ($789'592). Insgesamt hat der Full-Tilt-Profi in seiner Karriere mehr als eine Million Dollar an Preisgeldern verdient.
Markus Lehmann verbringt seine Zeit gerne damit, sich seinem beachtenswerten Weinkeller zu widmen, zu Reisen und dabei auch mal eine Runde Golf zu spielen. Ausserdem hat er einen Hang zu schnellen, schönen Autos...
Was die Videos betrifft, so haben wir in diesem Monat Hände ausgewählt, die im Herbst beim "Party Poker World Open V" in London gespielt wurden. Insgesamt sechs Sit'n'Go's mit jeweils acht Spielern wurden gespielt, die Sieger qualifizierten sich direkt für den Finaltisch, die Zweitplatzierten durften immerhin zu einem Hoffnungslauf antreten.
Im ersten Heat trafen mit Luke "_FullFlush1" Schwartz und Yevgenyi "Jovial Gent" Timoshenko zwei Online-Schwergewichte aufeinander. Aber die anderen Spieler, darunter die beiden Deutschen Online-Qualifikanten Jörg Müller und Christian Schäfer wollten den beiden das Feld natürlich nicht kampflos überlassen. Gestartet wurde mit 300'000 in Chips, was einem doch komfortablen Verhältnis von 150 Big Blinds entsprach. Dem einen oder anderen Move sollte also nichts im Weg stehen.
Als noch 6 der ursprünglich 8 Spieler übrig waren, kam Jörg Müller (450'000) dem dominanten Luke Schwartz (490'000) ins Gehege. Der Deutsche hatte mit 
vom Cutoff auf 12'000 geraist (bei Blinds 3000/6000), Schwartz machte im Big Blind den Call mit 
. Ähnlich gemütlich ging es auch auf dem Flop weiter...
Markus, schauen wir noch einmal kurz auf die Preflop-Action zurück. Jörg Müller macht mit 
lediglich einen Minraise. Was bezweckt er damit?
Ich bin kein grosser Freund dieser Minraises. Einen Fold seines Gegners im Big Blind kann er sicherlich nicht erwarten, insbesondere von einem aggressiven Spieler wie Luke Schwartz nicht.
Auf dem Flop treffen beide ein kleines Paar, Schwartz checkt, Müller macht eine Continuation Bet von 12'000.
Das ist ok, er könnte aber genauso gut checken. In dieser Situation würde ich wohl 70 bis 80 Prozent meiner Hände c-betten, aber mit einem Check hält man die Grösse des Pots unter Kontrolle, und das ist insbesondere bei schwierigen, aktiven Gegenspielern sehr wichtig. Auch das Image von Jörg Müller spielt hier eine Rolle. Da er ein eher tightes Image hat, verspricht eine C-Bet hier eher Erfolg, als wenn sie von einem sehr loosen Spieler kommt.
Auf dem Turn trifft Müller den Drilling, checkt aber behind, statt weiterzufeuern. Ist das sinnvoll?
Ich denke, eine weitere Bet wäre hier besser als ein Check, aber es scheint, als wolle er seinen Drilling verstecken.
Den Drilling dürfte ihm Schwartz eh kaum geben, Müller scheint kein Spieler zu sein, in dessen Preflop-Raising-Range viele Hände mit einer
gehören...
Das stimmt, vielleicht geht es ihm auch nur darum, auf dem River mehr Geld in den Pot zu bekommen. Trotzdem: Eine Bet wäre an dieser Stelle die bessere Lösung. Es gibt eine Menge schlechtere Hände, mit denen Schwartz hier bezahlt, von kleinen Paaren über einen
oder eine
bis hin zu Draws wie 
, 
oder 
. Ich würde eine Bet in der Höhe von 28'000 bis 31'000 machen.
Richtig spannend wir die Hand auf dem River: Der König paart das Board und Luke Schwartz macht eine dünne Value Bet von 8000. Statt nur zu callen, raist Müller auf 24'000. Macht das Sinn? Kriegt er da Value von einer Hand, die er schlägt?
Ja, ich mag den Raise auf dem River. Wenn er den Turn schon so weak spielt, dann sollte er den River ab und zu raisen, das macht schon Sinn. Die Bet von Luke Schwartz sah ja alles andere als stark aus, also muss auch Müllers Raise nicht unbedingt mit einer ganz starken Hand passieren.
Das scheint Luke Schwartz genauso zu sehen. Zum Entsetzen der Kommentatoren macht er den Call.
Ich kann das nachvollziehen. Dass Müller einen
oder eine
hält, scheint unwahrscheinlich, da er auf dem Turn nur gecheckt hat. Insofern geht Jörg Müllers Plan voll auf. Der Check auf dem Turn hat ihm letzendlich auf dem River weiteres Geld eingebracht.










