Dienstag, 07. Februar 2012 - Interview

Michel Fankhauser: „Ich versuche, mich stets weiterzuentwickeln und lerne in jedem Turnier dazu“

Der Schweizer Pokerspieler Michel Fankhauser betreibt unser liebstes Kartenspiel als höchst erfolgreiches Hobby.

Michel Fankhauser ist ein bekanntes Gesicht in der Schweizer Pokerszene. In den letzten Monaten läuft es für den schulischen Heilpädagogen und ehemaligen PokerAction-Kolumnisten am Pokertisch ganz ausgezeichnet. Zeit also für uns nachzufragen, wie er denn seine Erfolge einschätzt, was er in der nächsten Zeit so geplant hat und noch einiges mehr. Enjoy:

Hallo Michel, vielen Dank, dass du dir für uns Zeit nimmst. Wie geht es dir? Wie waren deine letzten Wochen aus pokertechnischer Sicht?

Danke, mir geht es gut! Beim Pokern habe ich eine gute Zeit hinter mir. Im Dezember gewann ich im Casino Baden die Schweizer Meisterschaft im Baden Hold’em, und in diesem Jahr habe ich in Seefeld fünf Turniere (Christmas Poker Challenge/CAPT) gespielt und dabei dreimal (3./2./1.) gecasht.

Du konntest das Abschlussevent der CAPT Seefeld 2012 gewinnen, congrats! Ein harter Kampf?

Das ist eine ganz verrückte Geschichte: ich verbrachte von Freitag bis Sonntag mit einem Pokerkollegen das Wochenende in Seefeld und Garmisch. Am Samstag waren wir live bei der Herren-Abfahrt in Garmisch. Dort feierten wir schliesslich den Sieg von Didier Cuche bis in die Morgenstunden. Wir kamen verspätet zum Abschlussevent und wenn wir das Turnier-Ticket nicht schon gelöst hätten, wären wir wohl in Garmisch geblieben. Am Anfang unterliess ich das Bluffen, da meine Hände noch ein wenig zitterten, und dies nicht nur wegen der Kälte. Ich hatte dann im dritten und vierten Level einen unglaublichen Lauf und traf einfach alles. Kämpfen musste ich vor allem am zweitletzten Tisch. Es hatte einige starke Spieler am Tisch, die zuvor beim Mainevent rausgeflogen sind. Um Mitternacht hatte ich dann noch Geburtstag und von da an lief wieder alles für mich.   

Herzlichen Glückwunsch nachträglich! Abgesehen von deinem Sieg, wie hat dir die Auftakt-Turnierwoche in Seefeld gefallen? Hast du mehrere Events gespielt?

Da ich nur noch am Freitag das Satellite für den Mainevent spielte, kann ich über den Rest der Woche nicht viel sagen. Das was ich erlebt habe war wie immer super organisiert.

Du bist öfters auf den Events der CAPT unterwegs. Hast du eine Lieblingslocation?

Ich bin viel in Österreich unterwegs. Es muss nicht zwingend die CAPT sein. Ich schätze die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit in diesem Land. Der schwache Euro begünstigt zudem verlängerte Weekends. Seefeld ist mir schon ein wenig ans Herz gewachsen, aber auch Salzburg hat ein wunderschönes Casino. In Innsbruck feierte ich 2007 als Pokerneuling zwei schöne Erfolge und in Bregenz schätze ich Joe Fuchshofer, den Pokermanager. Joe und sein Team machen einfach einen super Job. Ich kann die Turnierserien der CAPT allen Pokerfans der Schweiz bestens weiterempfehlen.

Welche nächsten Turnierstopps stehen bei dir als nächstes auf dem Programm?

Ich spiele die ersten beiden Events bei der CAPT in Bregenz. Da ich als Lehrer tätig bin kann ich unter der Woche nicht immer spielen. Zum Glück habe ich aber viele Ferien und ich komme nicht zu kurz. Im April gehe ich ganz sicher nach Salzburg und im Mai über Auffahrt nach Innsbruck. Zwischendurch werde ich sicherlich im Casino Baden mein Glück versuchen. Die Turnierstrukturen sind unter der Woche (logischerweise!) pokertechnisch nicht ideal, aber ich kann mich jeweils gut anpassen. Zudem kenne ich viele Spieler und auch in Baden macht das Team um Klaus Koehler einen sehr professionellen und tollen Job.

Hast du im Pokerbereich eigentlich ein Vorbild?

Vorbild ist wohl der falsche Begriff. Ich habe jedoch von Giovanni „Joe“ Zurzolo pokertechnisch  profitiert und extrem viel von ihm gelernt. Ihm ist an einem Pokertisch nichts entgangen und ich habe bis heute niemanden getroffen, der bessere „Reads“ draufhatte als er. Ich habe das Gefühl, dass er damals (2007-09) allen anderen Casino- und Clubspielern in der Schweiz um 2 Jahre voraus war. Zudem finde ich die Resultate von Besim Hot beeindruckend. Er ist einfach ein verrückter Kerl und er schafft immer wieder die sogenannten „Big Points“. Nicht zu vergessen ist Thomas Hofmann. Was er in der Schweiz und vor allem in Österreich in den letzten Jahren alles abgeräumt hat ist einfach unglaublich und verdient grossen Respekt. Es ist nur zu hoffen, dass Thomas in diesem Jahr seine Form bis zu den Team-Meisterschaften im Grand Casino Baden konservieren kann. (Insider!)      

Im Moment dreht sich in der Schweiz alles um die Frage, ob Poker bald wieder erlaubt sein wird. Wie schätzt du die Lage ein?

Ich kann dies absolut nicht beurteilen. Es gibt in unserem Land einige, die für die Legalisierung kämpfen und ich wünsche ihnen, dass sie es schaffen werden.

Seit einigen Jahren schon, wird das Pokerspiel hauptsächlich von sehr jungen Spielern unter 25 dominiert. Woran liegt das deiner Meinung nach und wie schafft man es über 25 am Pokertisch erfolgreich zu sein?

Ich nehme an, dass du damit die grossen Turnierserien wie EPT, WPT und WSOP ansprichst. Das ist nicht meine Liga und ich verfolge dies auch nicht speziell. Den Sieg von Ronny Kaiser an der EPT habe ich selbstverständlich mitbekommen und das tut der „Pokerschweiz“ natürlich gut. Dort wo ich mich jedoch bewege, erlebe ich durchaus auch das Gegenteil. Beim Pokermaster in Seefeld z.B. im letzten Mai beteiligten sich beim 500er-Event 71 Spieler. Der jüngste in den 8 Geldrängen war Erich Kollmann mit Jahrgang 1965. Ich war mit  47 Jahren der Zweitjüngste! Kollmann wurde zudem als „Österreichischer Pokerspieler 2011“ gekürt. Ansonsten kann ich nur für mich sprechen und ich spiele einfach mein Spiel. Ich versuche, mich stets weiterzuentwickeln und lerne in jedem Turnier dazu. Ich glaube, dass ich meine Fehler oft selber bemerke und manchmal lerne ich sogar etwas daraus. Zudem spiele ich erst seit 5 Jahren Texas Hold’em und ich denke, dass ich darum pokertechnisch eher zur jüngeren Generation gehöre.  

Michel Fankhauser privat: wie entspannst du dich nach einem anstrengenden Turnier?

Wenn ein Turnier anstrengend war dann ist man ja meistens „im Geld“ und das entspannt enorm. Es macht nicht unglücklich! Und wenn es nicht ganz gereicht hat trinke ich trotzdem ein Bierchen oder ein Glas Rotwein mit Kollegen. 

Was ist dein größter Traum – am und auch Abseits des Pokertisches?

Ich erlebe im Moment eine tolle Zeit, privat wie auch bei meinem Hobby. Beim Pokern gewinne ich seit 3 Jahren regelmässig Turniere in Baden und Bern, und auch in Österreich und Las Vegas ist mir dies schon gelungen. Es sind nicht die „grossen“ Turniere, aber das ist für mich nicht entscheidend, solange mir das Spiel so viel Spass macht und ich immer wieder gute Leute kennen lerne. Pokern ist und bleibt für mich ein Hobby. Zudem habe ich einen guten Job als Lehrer in einem tollen Team. Einige Arbeitskollegen und -kolleginnen freuen sich jeweils mit, wenn ich ein Turnier gewinne. Auch meine langjährige Partnerin unterstützt mich sehr. Nicole ist sehr tolerant und es ist für sie nie ein Problem, wenn ich spontan für ein paar Tage nach Österreich gehe oder eine Woche nach Vegas. Ich bin zurzeit wirklich rundum zufrieden. 

Vielen Dank für das Gespräch

 
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