"Nice Hand" - Video-Review mit den Profis (Katja Thater 2/4): Ein Bluff geht schief
Herzlich Willkommen zur 14. Ausgabe von "Nice Hand". In dieser Wochenrubrik hocken wir uns mit einem Poker-Profi vor den Computer und schauen uns ein Youtube-Video an; die Aufzeichnung einer besonders interessanten, lustigen oder sonstwie bemerkenswerten Hand. Dabei wollen wir erfahren, was der Pro von den gezeigten Moves hält, was man anders machen und sonst noch so alles daraus lernen kann.
Unser Gast im März ist die bezaubernde Katja Thater. Die 43-jährige PokerStars-Profispielerin aus Hamburg gehört seit Jahren zu den ganz grossen Namen in der Szene. Thater hat vor rund zehn Jahren mit Poker begonnen, seit drei Jahren spielt sie auch Turniere. Und hat dabei schon sehr viel erreicht: Im Jahr 2007 holte sie an der World Series of Poker (WSOP) in Las Vegas eines der begehrten Bracelets – im Seven Card Razz notabene. Insgesamt hat Thater fünf WSOP- und zwei EPT-Cashes vorzuweisen, insgesamt drei Mal reichte es sogar für den Final Table. Im Januar gewann sie ausserdem das $1000-8-Game-Sideevent am PCA auf den Bahamas. Obwohl Cashgame die grosse Leidenschaft der ehemaligen Pferdezüchterin ist, hat sie sich bereit erklärt, für uns ein paar Hände zu analysieren, die am Main Event der letztjährigen World Series of Poker Europe (WSOPE) in London gespielt wurden. 334 der weltbesten Pokerspieler meldeten sich zu diesem £10’000-Event an, das mit einem Marathon-Heads-Up zwischen Daniel Negreanu und dem späteren Sieger Barry Shulman in die Geschichtsbücher einging.
Wie schon im ersten Teil der Serie analysieren wir auch in dieser Woche eine Hand, in die der elffache Bracelet-Gewinner Phil Hellmuth involviert war. Und folgendes Beispiel beweist: Auch wenn Hellmuth im Moment eine Schwächephase durchläuft, braucht man ihn nicht für dumm zu verkaufen. Genau das hatte der Franzose Gilbert Diaz allerdings versucht, der wie Hellmuth einen Flush Draw gefloppt hatte und dachte, er könne den Pot auch mitnehmen, ohne sein Flush zu treffen. Denkste.
Katja, fangen wir doch mal preflop an. Was hältst Du von Fabian Quoss’ Open-Raise mit 
- und Hellmuths Call mit 
?
Der Raise von Fabian ist einwandfrei, die Calls der Spieler in den Blinds gehen nach meiner Meinung auch in Ordnung. Dass Hellmuth mit 
allerdings nur callt, finde ich sehr schlecht. Die Blinds hier billig reinzulassen ist immer ein Risiko. Ich weiss, daß Hellmuth viel mit Limps und Calls auf dem Button experimentiert, nicht selten open-limpt er sogar, aber ich halte dies für falsch.
Warum tut er das? Will er 
aus irgendeinem Grund lieber multiway spielen als heads-up?
Wenn man davon ausgehen kann, dass einer der Blinds mit einer 3-Bet drüberkommt, und man dann selbst 4-betten kann, dann ist ein Call mit 
schon eine Möglichkeit. Aber das Ziel muss eindeutig sein, diese Hand heads-up zu spielen. Ich glaube, Phil weiss das, vermutlich geht er davon aus, ein Call des greatest player in the world auf dem Button genüge als Argument, die Blinds zum folden zu bewegen. Er will halt seine vermeintliche Stärke, das Postflop-Spiel, in Position mit einer guten Hand ausnutzen. Falls man 
gegen mehrere Gegner so spielt, muss man aber unbedingt bereit sein, die Hand aufzugeben wenn das Board sich negativ entwickelt. Es sei denn, man liest seine Gegner so gut wie Phil in diesem Fall.
Mit 

floppt Hellmuth den Nut Flush Draw, allerdings ist es Gilbert Diaz, der mit dem 2nd Nut Flush Draw in seine Gegner reindonkt...
Vermutlich hat er "Every Hand Revealed" von Gus Hansen gelesen (lacht). Das kann man schon mal machen, zumal man sehr viel Kredit für seine Hand erhält, wenn man gleich in drei Gegner reinbettet. Ich schätze mal, dass man in drei von zehn Fällen den Pot gleich kassiert. Die Bet von Diaz muss also nicht mal sehr viel mit der Stärke seiner Hand zu tun haben.
Hellmuth callt. Könnte er mit seiner Hand auch raisen?
Klar, er kann seinen Positionsvorteil immer noch einsetzen. Er hat den Nut Flush Draw und zwei Overcards und liegt selbst gegen sehr starke Hände nicht aussichtslos hinten.
Interessant ist die kleine Bet von Phil Hellmuth auf dem Turn: 1000 in 4800. Warum tut er das?
Er will wohl etwas Value schaffen für seine immer noch starke Hand. Ausserdem gibt es die Möglichkeit, dass er den Pot gleich gewinnt. Auf jeden Fall aber sammelt er damit wertvolle Informationen. Diaz callt in typischer "Ich bin auf einem Draw"-Manier, nämlich sehr schnell und ohne weiter nachzudenken. Ein Spieler wie Phil Hellmuth registriert das natürlich.
Ist der schnelle Check-Call von Diaz auch der Grund, warum sein Bluff am River in die Hose geht? Er setzt 3000 in einen Pot von 6800 und Hellmuth callt ohne grosses Nachdenken mit Ass hoch.
Ganz klar, ja. Hellmuth callt, weil er Diaz genau auf die Hand setzt, die er hat. Obwohl: Der Bluff an sich ist eigentlich gar nicht so schlecht. Hätte Diaz beispielsweise mit einer Hand wie 
einen Open Ender so gespielt und auf dem River ein Paar getroffen, dann wäre eine Bet in dieser Grössenordnung eine perfekte dünne Value Bet.
***
In der kommenden Woche schauen wir uns eine ganz kranke Hand an, in die – wen wunderts? – der Nordire Andy Black verwickelt war. Bis dann!
Mit den Holecards und nicht allen Informationen über das Image der Spieler (insbesondere Diaz, Fitoussi), Turnierphase ist es von aussen immer seinen Käse dazu zu geben.
Trotzdem hätte diese Hand noch mehr Kommentar verdient und vor allem auf dem Flop nicht optimal gespielt.
Insbesondere Quoss hätte hier etwas mehr Action machen können, nach seinem „Out of Position - Raise“ seine Geschichte zu Ende erzählen können:
Bei einem Flop von 5d 8d Qd muss ja nicht davon ausgehen, dass er einen Flush gefloppt hat, oder die Dame hält. Er selbst könnte jedoch so tun können, als hätte er einen kleinen und schützbaren Flush z.B. Jd 10d oder er repräsentiert hier seine nach dem Preflop Raise gute Hand wie AQ ; was ich als Gegner noch am wahrscheinlichsten denken könnte.
Dann wäre dies eine optimal Hand mit den Implied Odds zu spielen oder die Hand auf dem Flop gleich einzustreichen. Natürlich muss ich hier noch die Reverse Implied Odds bei der Gegenwehr meiner Mitspieler berücksichtigen.
Diaz als erster stellt mal die Frage oder macht einfach eine Blockbet um seinen Second Nutflushdraw günstig zu erkaufen. Er wettet 1000 in einen Pot von 2800. Nach dem Fold von Fitoussi, hätte hier Quoss einen Raise auf 4000 oder höher erwägen können um den Flushdraw teuer zu machen, und zu sagen: „Hey Mr. Diaz hier wird nicht gefischt“
Hinter ihm sitzt ja noch Phil Hellmuth und der gilt als Beton. Falls er zahlt muss man entweder von einer gemachten Hand ausgehen oder eben auf einen Nutflushdraw, welchen er sich teuer erkauft, was ich jedoch bei Phil eher nicht vermute in dieser frühen Phase des Turniers.
Falls ein anderer aggressiver Spieler hinter Quoss gesessen wäre, hätte ich eventuell nur gecallt und einfach Toppair Damen repräsentiert. Falls dieser dann geraist hätte (und hier finde ich den Call von Hellmuth etwas schwach, weil er schon weiss, dass er nur noch einen Gegner hatte; ein Raise wäre hier mit sein Image sackstark gewesen), hätte er immer noch folden können.
Zudem hätte ich die Möglichkeit auf Turn und River nochmals meinen gemachten Flush oder AQ , KK, KQ, AA zu repräsentieren.
Nach dem Flop finde ich, dass Hellmuth zwar auch nicht optimal gespielt hat, aber der Check auf dem Turn und River von Diaz finde ich noch schwacher.
Cheers
Martin Bertschi










