"Wenn ich mal als einer der Ersten aus einem Turnier fliege, dann wundern sich alle, was los ist"
Theo Steimer gilt in der Schweizer Pokerszene als Mr. Ultratight. Dennoch überzeugt er regelmässig mit guten Resultaten, im Swiss Ranking fungiert er fast immer unter den Top 10. PokerAction hat mit dem 50-jährigen Malermeister über sein Image, seine Gegner und seine Ziele gesprochen.
Theo, zuallererst herzliche Gratulation. Du hast kürzlich die 100’000er-Grenze beim Preisgeld durchbrochen...
(Überrascht) Echt? Das habe ich gar nicht bemerkt.
So ist es. Bei Pokerspielern ist aber die Frage, wieviel sie dafür reingesteckt haben, viel interessanter. Es waren hoffentlich weniger als 100'000 Franken.
Das schon, ja. Aber dessen muss man sich schon bewusst sein, 2/3 des Preisgelds vieler Spieler gehen für die Buy-Ins drauf. Wobei, für mich steht das eh nicht im Vordergrund, ich betrachte Poker als Hobby. Andere hocken abends im Spunten und trinken ein Bier, ich spiele halt Poker. Und ich habe grosse Freude daran, die Schweizer Poker-Community ist für mich wie eine zweite Familie.
Gutes Thema. Dein Sohn ist ja auch oft mit Dir unterwegs.
Ja, durch Silvan bin ich auch erst zum Pokern gekommen. Er hat das jeweils auf DSF geschaut und irgendwann auch online zu spielen begonnen, und mich hats mit reingezogen.
Wer von euch beiden ist besser?
Schwierig zu sagen, wir spielen halt sehr unterschiedlich. Er ist der mathematische Online-Spieler, der auch "Hold'em Manager" und sowas benutzt, ich bin mehr der Gefühlsspieler. Da gibt es manchmal Auseinandersetzungen, wenn er nicht verstehen kann, warum ich in einer bestimmten Situation all-in gegangen bin. Wir spielen oft gemeinsam an den Turnieren.
Gebt ihr euch gegenseitig Action?
Ja, wir haben jeweils 10 Prozent voneinander.
Du giltst in der Schweiz ja als Mr. Ultratight. Wie gefällt Dir dieses Image?
Es stimmt, ich bin ein sehr tighter Spieler, Geduld ist meine grosse Stärke. Aber ich muss aufpassen, dass ich nicht zu tight spiele, und zu Beginn dieses Jahres habe ich auch versucht, etwas looser zu spielen. Aber irgendwie passt das nicht zu mir, ich hatte jedenfalls keinen Erfolg damit. Also bin ich wieder zu meinem typischen Spiel zurückgekehrt.
Mit Erfolg. An der SPMT Zürich hast Du den Final Table nur knapp verpasst.
Obwohl das ehrlich gesagt eine leise Enttäuschung war. Ich war schon am Tag zuvor an einem anderen Turnier 11. geworden, verlor 
gegen 
, als auf dem River die Dame kam. Als ich dann an der SPMT wieder auf der Final Table Bubble ausschied, war das schon etwas unglücklich.
Dein Stil muss ja auf Dauer auch extrem frustrierend sein. In der Regel hast Du ja preflop die bessere Hand, also wirst Du wahrscheinlich mehr Bad Beats erleben als andere Spieler.
Ja, und es gab auch schon Phasen, in denen ich schlicht keine Lust mehr hatte und beschloss, aufzuhören. Es kommt halt auch vor, dass loose Spieler mich absichtlich mit spekulativen Händen wie 
callen, weil sie wissen, dass ich wahrscheinlich 
oder sowas habe. Und wenn man dann ein paar mal hintereinander solche Konfrontationen verliert, dann geht das schon an die Nerven.
Bist Du der Ansicht, das Spiel sei in den letzten Jahren allgemein looser geworden?
Auf jeden Fall. Es gibt viel mehr aggressive Spieler als früher. Als ich vor zwei Jahren zu spielen begonnen habe, hat man gegen diese ständigen Raiser schön brav gefoldet und sich gewundert, ob die wohl wirklich so viele gute Karten kriegen (lacht).
Wie spielst Du gegen diese jungen Wilden?
Ich finds nicht mal so schlimm, denn ich brauche sie ja, um mit meinen guten Starthänden trotzdem noch Action zu kriegen. Und ich schaue Leuten wie Stefan Huber auch gerne zu, auch online. Die ziehen ihre Hände halt einfach durch, ohne Rücksicht. Obwohl es manchmal richtig "grusige" Hände sind, die sie reinstellen, 
und sowas...
Muss man solche Moves heutzutage nicht einfach draufhaben, um ein grosses Turnier zu reissen?
Doch, auf jeden Fall. Auch mit meinem Stil kann man es schaffen, aber dann muss halt wirklich alles zusammenpassen, man muss Hände kriegen und die Coinflips gewinnen und in den entscheidenden Momenten auch Glück haben. Die aggressiven Spieler fliegen entweder früh raus oder sie haben schnell einen grossen Stack vor sich stehen. Wenn ich mal schon am Anfang einen solchen Stack hätte, dann würde ich auch mehr Hände spielen. Dafür passiert es mir fast nie, dass ich früh ausscheide. Wenn ich mal als einer der Ersten aus einem Turnier fliege, dann wundern sich alle, was los ist. (Lacht) Dabei darf ich mir das doch auch ab und zu mal leisten.
Die meisten Leute sind wohl enttäuscht, wenn Du früh rausfliegst. Du giltst ja auch als sehr beliebter Spieler an den Schweizer Turnieren.
Das freut mich auch. Als ich zum Beispiel an der SPMT unter den letzten 20 war, hat das Handy in meinem Hosensack fast ununterbrochen vibriert. Das ist natürlich ein schönes Gefühl, wenn man weiss, dass die Leute einem ein gutes Resultat wünschen.
Welches sind Deiner Meinung nach die besten Turnierspieler der Schweiz?
Ralph Kalman zum Beispiel ist sehr stark, und natürlich schon auch die guten Online-Spieler wie Stefan Huber oder Ronald Grauer. Bei denen bin ich gespannt, ob sie ihr Online-Spiel jetzt auch an die grossen Live-Turniere transportieren können und dort ähnlich viel Erfolg haben.
Wie hast Du’s eigentlich mit Online-Poker? Spielst Du selbst im Internet?
Ja, aber da habe ich im Gegensatz zum Live-Poker überhaupt keine Geduld. Ich spiele viel zu viele Hände, weil ich weiss, dass ich sofort mit einem neuen Turnier beginnen kann, wenn ich rausfliege. Nein, Online ist nicht so mein Ding.
Welches sind Deine Lieblings-Locations in der Schweiz?
Früher habe ich bei United Poker gespielt, inzwischen ist die Swiss Pokerlounge meine Heimat, die liegt halt auch in der Nähe. Was mich ebenfalls sehr beeindruckt hat, ist House of Poker in Arbon. Die Location ist super schön, die Organisation ist top, es ist halt leider ein bisschen weit weg.
Hast Du Dir fürs Pokerjahr 2010 konkrete Ziele gemacht?
Nein, nicht wirklich. Ich spiele einfach jedes Turnier mit dem Ziel, zu gewinnen.
Wird man Dich im Ausland an Turnieren antreffen?
Ja, ein paar CAPT-Turniere würde ich schon gerne spielen, aber sicher weniger als im letzten Jahr. 2009 habe ich einen grossen Teil meiner Gewinne in Form von Buy-Ins für diese Turniere liegenlassen und der grosse Erfolg ist leider ausgeblieben.
In Deinem PokerAction-Profil nennst Du auch die Teilnahme an der World Series of Poker als einen Traum...
Die WSOP würde ich sehr gerne mal noch spielen, allerdings warte ich, bis Silvan 21 geworden ist, dann können wir gemeinsam spielen. Und das dauert leider noch zwei Jahre.
Theo Steimer, wir wünschen Dir auf jeden Fall viel Erfolg. Ganz herzlichen Dank für dieses Interview.










