"Es ist eigentlich gar nichts besonderes passiert"
290 Spieler sind nach den ersten drei Starttagen des Aussie Millions Main Events noch übrig, und mit Ronny Kaiser liegt ein junger Schweizer ganz weit vorne. PokerAction wollte vom 19-Jährigen wissen, mit welchen Zielen er den heutigen Tag 2 in Angriff nimmt.
Ronny, Du hast den ersten Starttag des Aussie Millions Main Events als Chipleader beendet. Wie kam das?
Es ist eigentlich gar nichts besonderes passiert, es gab keine wirklichen Schlüsselhände oder so. Ich kriegte gute Karten, und vor allem brachte ich die meisten Hände ohne grosse Gegenwehr durch, es kam nicht einmal besonders oft zum Showdown.
Also einfach aggressiv gespielt oder auch gut getroffen?
Ich spiele schon sehr aggressiv, 3- und 4-bette auch gerne. Aber ich habe auch gut getroffen, im Gegensatz zu meinen Gegnern. Meine Continuation Bets waren jedenfalls meistens erfolgreich.
Hattest Du an Tag 1 irgendwelche Big Names an Deinem Tisch?
Ja, James Akenhead sass an meinem Tisch. Und Moritz Kranich.
Hast Du vor solchen Leuten Respekt?
Ich suche mir sicher nicht unbedingt die besten Spieler aus, um irgendwelche wilden Moves zu probieren. Aber ich gehe ihnen auch nicht aus dem Weg. Ich kann das ja auch zu meinem Vorteil nutzen, dass diese Spieler keine Ahnung haben, wer ich bin und wie ich spiele.
Wie muss man sich das allgemeine Spielniveau an einem Aussie-Millions-Main-Event vorstellen?
Es ist schon ein sehr gutes Niveau. Aber es hat auch hier ein paar schlechtere Spieler im Feld, in der Regel sind das die Einheimischen oder die Internet-Qualifikanten, die zum ersten Mal ein grösseres Live-Turnier spielen. Die spielen in der Regel zu tight, zu zurückhaltend.
Jetzt startest Du als einer der Chipleader in den zweiten Tag. Passt Du Deine Strategie entsprechend an?
Ich spiele sicher auch weiterhin sehr aggressiv, wobei ich mich ganz am Anfang etwas zurücknehmen werde. Wenn es ins nächste Blindlevel geht, dürften viele Spieler shortstacked sein, da wird viel gepusht, und aus solchen Konfrontationen halte ich mich lieber raus, das schadet mir eher, als dass es mir was bringt. Ausserdem ist es immer gut, wenn man die Anfangsphase an einem neuen Tisch damit verbringt, die Leute etwas kennenzulernen.
Was bedeutet ein Chiplead nach Tag 1? Machst Du Dir jetzt irgendwelche Hoffnungen?
Nein, das bedeutet noch nicht allzu viel. Wenn ich am Ende von Tag 2 immer noch an der Spitze des Feldes liege, dann ist das etwas anderes. Im Moment habe ich zwar mehr Chips als andere, aber auch noch nicht genügend viele, um mir konkret etwas ausrechnen zu können.
Du warst zuvor schon auf den Bahamas am PokerStars Caribbean Adventure. Spielst Du im Moment hauptberuflich Poker?
Ich habe ja erst vor ein paar Monaten das Gymi abgeschlossen und mache jetzt mal eine Art Poker-Zwischenjahr. Was danach kommt, weiss ich nicht, ich habe überhaupt keine Pläne.
Ist Pokerprofi eine Perspektive?
Sicher, ja. Aber nicht für lange Zeit.
Warum nicht?
Es ist halt irgendwie schon eine recht asoziale Sache, die ganze Zeit von Turnier zu Turnier zu reisen. Irgendwann hätte ich wohl das Bedürfnis, mal noch etwas anderes zu machen. Aber wie gesagt: Im Moment habe ich noch keine Ahnung, was das sein könnte.
Was steht in Deinem Poker-Zwischenjahr auf dem Programm?
Ich werde sicher die EPT-Turniere in Berlin und Saalbach spielen, auch von den CAPT-Events werde ich so viele wie möglich spielen, die sind gemütlich.
Wie siehts mit der WSOP aus?
Da bin ich leider noch zu jung.
Sorry, stimmt ja. In Las Vegas kommt man erst ab 21 in die Casinos rein.
Genau, da muss ich noch bis im nächsten Jahr warten.
Was steht jetzt in Australien noch so an? Wie verbringst Du die Zeit abseits vom Crown Casino?
Ich bin ein grosser Tennis-Fan, und da ist es natürlich genial, dass hier in Melbourne gleichzeitig das Australian Open stattfindet. Ich habe mir auch schon ein paar Spiele angeschaut.
Federer?
Nein, das hat leider noch nicht geklappt. Ich habe Blake gegen Del Potro gesehen und Haas gegen Tsonga. Federer gegen Davydenko wäre natürlich ein super Spiel, aber das findet heute statt, und da muss ich spielen.
Dann hoffen wir wenigstens, dass sich der Verzicht lohnt. Besten Dank für das Interview und viel Erfolg!










