"In diesem Jahr wird man mich nicht mehr oft am Pokertisch antreffen"
Marko Ilicic hat das Swiss Ranking 2009 dominiert und letztendlich auch verdient gewonnen. PokerAction hat mit dem 46-Jähigen über seinen Triumph, seine Gegner und seine Ziele gesprochen.
Marko, ganz herzliche Gratulation zum Sieg im Swiss Ranking 2009. Was bedeutet Dir dieser Titel?
Vielen Dank. Der Sieg im Swiss Ranking bedeutet mir sehr viel, es ist eine grosse Ehre für mich. Ich bin froh, dass es mir in diesem Jahr so gut gelaufen ist.
Hast Du Dir am Anfang des Jahres vorgenommen, das Swiss Ranking zu gewinnen, oder ist das auch für Dich eine Überraschung?
So etwas kann man nicht voraussagen, nicht einmal Mike Shiva könnte das (lacht). Ich hatte 2008 schon ganz gut abgeschnitten, und da dachte ich natürlich schon, da könnte vielleicht etwas drinliegen. Das erste Halbjahr ist mir dann auch ganz gut gelaufen und ich habe gemerkt, dass ich da wirklich eine Chance habe. Aber so richtig auf Sieg habe ich erst in der zweiten Jahreshälfte gespielt, als sich herauskristallisiert hatte, dass ich da ganz vorne landen könnte.
Wie viele Turniere hast Du im Schnitt pro Woche gespielt?
(Lacht) Ich war 24 Stunden am Tag am Spielen, 7 Tage in der Woche. Im Ernst: Ich habe praktisch jeden Tag gespielt, bis zu 4 Turniere an einem Tag. Gegen Ende des Jahres war es natürlich mein erklärtes Ziel, in der Rangliste ganz vorne zu bleiben.
Bleibt da noch Zeit für Beruf oder Freizeit? Oder Familie?
Ja, das geht schon. Ich arbeite ja auch noch sechs Tage in der Woche, ich bin selbständiger Schuhmacher und habe ein eigenes Geschäft. Obwohl, manchmal habe ich mich auch während der Arbeit für zwei, drei Stunden aufs Ohr gelegt. Aber mit Willen, der richtigen Einstellung und der Unterstützung meiner Familie ging das schon.
Was waren Deine grössten Erfolge in diesem Jahr?
Ich würde sagen mein zweiter Platz bei Züri Open im März und der vierte Platz beim Main Event des Swiss Poker Masters (SPM) im August. Diese beiden Resultate gaben auch am meisten Swiss-Ranking-Punkte.
An welchen Orten in der Schweiz spielst Du am liebsten?
Da gibt es viele Clubs, ich möchte keinen besonders hervorheben. Ich spiele allgemein am liebsten im Grossraum Zürich, aber auch im Raum Bern und Basel gibt es ein paar schöne Locations.
Hast Du im vergangenen Jahr auch im Ausland gespielt?
Ja, ich war mal in Bregenz und habe da an einem Turnier teilgenommen, aber für Reisen ins Ausland fehlte mir einfach die Zeit.
Welche Turnierstruktur gefällt Dir am besten?
Ich mag Deepstack-Turniere ganz klar am besten. Flache Strukturen, Blinderhöhungen nur so alle 40 bis 45 Minuten. Das kommt meinem Spiel entgegen, da kann ich auch mal etwas abwarten.
Würdest Du Dich also eher als tighten, zurückhaltenden Spieler bezeichnen?
Auf jeden Fall. Meine grosse Stärke ist sicher die Ausdauer. Aber ich kann auch sehr aggressiv spielen wenn es sein muss, das hängt halt immer von verschiedenen Faktoren ab, von den Spielern am Tisch oder von meinem Chipstack. Da kann ich je nach Situation schnell umschalten.
Hast Du eine spezielle Turnierstrategie?
Nicht wirklich, nein. Ich passe das jeweils vor Ort den aktuellen Umständen an. Aber ich will hier auch nicht zuviel über mein Spiel verraten, das kann jeder am Tisch selbst erleben (lacht).
Tauschst Du Dich auch aus mit anderen Spielern? Redest Du mit jemandem über Situationen, die sich ereignet haben, oder Hände, die Du gespielt hast?
Ja, das schon. Zu Beginn des Jahres habe ich mich viel mit Carlo Muscarello ausgetauscht, auch mit David Madonia habe ich über Strategie diskutiert. Und in den letzten Monaten hatte ich auch engen Kontakt mit Stipe Orec, auch mit ihm habe ich viel über Hände diskutiert.
Wie sieht es mit Poker-Literatur aus? Liest Du Strategiebücher?
Ja, ich habe eine ganze Menge davon, Sklansky und Schoonmaker und wie die alle heissen. Auch im Internet habe ich regelmässig gespielt, auch das hat mir viel gebracht, ich musste da ziemlich Lehrgeld bezahlen.
Ach ja?
Ja, ich gebe das offen zu. Anfangs habe ich bei Full Tilt gespielt und hatte eine richtig negative Bilanz. Inzwischen spiele ich bei PokerStars, und jetzt zeigt meine Kurve nach oben. Ich habe auch Coaching von erfahrenen Internetspielern in Anspruch genommen, um mich da zu verbessern. Urs Graedel etwa hat mich mit seinem Spiel sehr beeindruckt. Auch bei Dr. Gammon habe ich einen Kurs gemacht, auch das ein sehr starker Spieler.
Wenn wir gerade von starken Spielern sprechen: Wer waren Deine härtesten Gegner in diesem Jahr? Mit wem hast Du Dir die erbittertsten Duelle geliefert?
Ich fand es immer schwierig, gegen die Online-Spieler zu spielen, die sind sehr unberechenbar. (Überlegt) Reto Locher war sicher einer meiner grossen Gegner. Und auch mit Dogan Güngör habe ich mir harte Duelle geliefert.
Was sind Deine Ziele für das nächste Pokerjahr?
Ich werde jetzt dann erst Mal eine Pause einlegen. Im 2010 wird man mich nicht mehr oft am Pokertisch antreffen, soviel steht fest. Ein paar ausgewählte Events werde ich noch spielen, und ausserdem will ich mich auch mal im Ausland versuchen. Ein Final Table an einem grossen, internationalen Turnier wäre schon ein toller Erfolg.
Marko Ilicic, wir wünschen Dir mit diesen Zielen viel Erfolg. Dir und Deiner Familie ein glückliches 2010.
Danke, auch ich wünsche allen Spielern ein gutes neues Jahr und gute Gesundheit. Alles andere kommt von selbst.










