Dienstag, 23. Februar 2010 - Interview

Exklusiv: Sunday-Million-Sieger Michael "RichieRichZH" Friedrich im PokerAction-Interview

In der Nacht von Sonntag auf Montag räumte der 36-jährige Stadtzürcher Michael "RichieRichZH" Friedrich eines der grössten Preisgelder ab, das beim Online-Poker je ausbezahlt worden ist. In einer Spezialausgabe des "Sunday Million"-Turniers von PokerStars setzte er sich gegen 36'168 Kontrahenten durch und sicherte sich eine Siegprämie von unglaublichen 1,14 Millionen Dollar. PokerAction wollte von Michael Friedrich am Tag nach seinem grossen Triumph wissen, wie er das Turnier erlebt hat und was es ihm bedeutet, Poker-Millionär zu sein.

Von Lukas Hadorn

Richie, ganz herzliche Gratulation zum Sieg beim grössten "Sunday Million" aller Zeiten. Hast Du in den vergangenen 24 Stunden mehr gefeiert oder geschlafen?
(Lacht) Ja gut, schlafen kann man nach so etwas eh nicht. Nachdem das Turnier gegen Mittag vorbei war, habe ich während vier, fünf Stunden nur telefoniert und SMS beantwortet.

Das Turnier hat mehr als 13 Stunden gedauert. Hast Du alleine gespielt oder hattest Du Unterstützung?
Ich sass alleine am Computer, aber ich hatte zwischenzeitlich via Skype Kontakt zu anderen Schweizer Spielern wie Stefan "YrrsiN" Huber oder Danilo "DanSalvatore" Carlucci. Und natürlich war auch meine Verlobte da, sie hatte mir am Abend noch etwas beim Spielen zugeschaut. Und als sie am Montagmorgen wieder aufstand, war ich ja immer noch dran...

Und Du warst ihr eine Erklärung schuldig...
(Lacht) Nein, im Gegenteil. Sie hatte am Montag Geburtstag, und als ich sie am Sonntag gefragt hatte, was sie sich zum Geburtstag wünscht, sagte Sie: Dass Du das "Sunday Million" gewinnst. Kein Witz. Und ich sagte: Ok, ich versuchs. (Lacht) Aber natürlich war das eine völlig utopische Vorstellung, so etwas hätte ich mir nie träumen lassen.

Irgendwann musst Du ja aber gemerkt haben, dass da was drinliegt. Welche Ziele hast Du Dir während des Turniers gesteckt?
Ich konnte meinen Stack schon sehr früh verfünffachen, und ein guter Start vereinfacht natürlich alles. Es gab zwar auch Phasen, in denen ich viel folden musste, aber ich hatte zwischendurch immer wieder richtige Runs, in denen ich meinen Stack innert kürzester Zeit massiv ausbauen konnte. Irgendwann habe ich mir dann mal das Ziel gesteckt, mindestens 15. zu werden, denn mit dem Preisgeld für Rang 15 hätte ich bereits mein bisher bestes Resultat übertroffen. Etwas später dann nahm ich mir den Final Table vor, und als ich den erreicht hatte, wollte ich natürlich gewinnen.

Dann war es also ziemlich smooth sailing von Anfang bis Ende?
Nein, das schon nicht. Ich war zwei Mal extrem short; als noch etwa 100 Spieler im Turnier waren, hatte ich noch 2,7 Millionen an Chips - bei einem Average von 10 Millionen. Aber dann kam wieder so ein Run, ich kriegte die Karten und traf die Flops. Und wenn ich einen Move machte, dann hatte ich oft den passenden Gegner dazu, auch das ist sehr wichtig.

Gibts auch eine schöne Suckout-Story?
Natürlich. Nach etwa drei Stunden ging ich mit all-in, nachdem ein Short Stack vor mir geshovt hatte. Ich wollte ihn isolieren, aber leider wachte ein Spieler hinter mir, der mich gecovert hatte, mit auf. Die Dame auf dem Turn hat mich da gerettet.

Auch am Final Table meinten es die Kartengötter gut mit Dir, mit Setups wie gegen , gegen und gegen konntest Du gleich mehrere Spieler vom Tisch nehmen. Die unglaublichste Hand aber war wohl jene mit ...
Ja, ich hatte three-handed mit auf dem Button geraist. Ich raiste allgemein sehr viel, da meine Gegner schon merklich tighter spielten, als es langsam ums grosse Geld ging. Beide Gegner callten, und der Flop kam , ich floppte also Two Pair.

Die Blinds checkten zu Dir, und nachdem Du einen C-Bet von 12 Millionen gemacht hattest, check-raiste Dich der Big Blind, der seinerseits mit eine Strasse gefloppt hatte, auf 33 Millionen. Du hattest 96 Millionen behind und befandst einen Call für die beste Lösung. Ein ungewöhnlicher Spielzug.
Ich wollte ganz einfach den Turn sehen. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt meine ganze Time Bank schon aufgebraucht, also hatte ich nur wenig Zeit für eine Entscheidung. Folden war ausgeschlossen, aber es gab halt schon viele Hände, die mich schlagen konnten, Sets, bessere Two Pairs, eine Strasse. Zum Glück hat mir die auf dem Turn eine schwierige Entscheidung abgenommen. Ich weiss nicht, was ich getan hätte, wenn der Turn eine Blank gewesen wäre, und er in mich reingepusht hätte.

Etwas später musstest Du dann aber auch mal einen Bad Beat wegstecken. Du warst all-in mit gegen Deines Gegners, er zog mit einem auf dem Turn den Kopf aus der Schlinge. Wie hast Du das weggesteckt? Du musst Dich ja bereits als Sieger gewähnt haben.
Das war eigentlich kein grosses Problem. Ich hatte das Gefühl, "lankeshwar" ziemlich gut im Griff zu haben, da er viel zu tight spielte und nur mit ganz starken Händen zu Gegenwehr bereit war. Und er hat seine Taktik auch nicht verändert. Also habe ich ihn unaufhörlich attackiert, da ich wusste, dass ich so auch mal einen Coinflip verlieren kann, wenn ich ihn zwischendurch ausbluten lasse.

Interessant war ja auch die Tatsache, dass "lankeshwar" nicht auf einen Deal eintreten wollte. Hast Du irgendwelche Infos dazu?
Nein, ich weiss auch nicht, warum er sich nicht gemeldet hat. Ich wäre mit einem Deal einverstanden gewesen, aber irgendwie hat es mich auch angespornt, dass er - absichtlich oder unabsichtlich - einen Deal verhindert hat. Er wollte scheinbar wissen, wer der beste war, und ich war bereit, es ihm zu zeigen.

Wie stark hat das enorme Preisgeld Dein Spiel am Final Table verändert? Hast Du Dich davon beeinflussen lassen?
Nein, ehrlich gesagt gar nicht. Klar, es sind riesige Unterschiede, aber irgendwann wurde es fast nebensächlich, ob es jetzt 500’000 Dollar oder eine Million sind. Mir war es wichtig, mein Bestes zu geben und im Nachhinein nicht das Gefühl zu haben, einen Scheiss gespielt zu haben. Und mit dem Final Table hatte ich bereits ein so grosses Ziel erreicht, dass ich mich eigentlich ganz locker auf mein Spiel konzentrieren konnte.

Dann war Dir die Performance wichtiger als das Geld?
Ja, eigentlich schon. Heute morgen kam mir sogar der Gedanke, dass ich eigentlich ein viel zu grosses Turnier gewonnen habe. Etwas kleineres hätte auch gereicht. Klar, es ist ein wunderschönes Gefühl, aber mir geht es beim Pokern nicht nur ums Geld, sondern auch darum, das Spiel irgendwann zu beherrschen, so perfekte Entscheidungen wie möglich zu treffen und meine Gegner lesen zu können. Mich fasziniert der strategische Aspekt an diesem Spiel, und diesen finde ich, ob es jetzt um fünf Dollar oder eine Million geht. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten viel Zeit damit verbracht, Leuten wie Ronald Grauer und den Huber-Brüdern beim Spielen zuzusehen und mich mit ihnen auszutauschen. Die Tatsache, dass es so häufig die gleichen Spieler sind, die ganz oben mitmischen, hat in mir einen grossen Ehrgeiz geweckt.

Welchen Stellenwert hat Poker für Dich? Wie gross ist der Platz, den das Spiel in Deinem Leben einnimmt?
Poker ist ein Hobby für mich. Seit ich 24 bin, arbeite ich als selbständiger Vermögensverwalter. Ich habe in den vergangenen 12 Jahren viel gearbeitet und war ständig auf Achse, da habe ich auch meine Hobbies etwas vernachlässigt. Darum geniesse ich Poker jetzt umso mehr. Ich kann dabei abschalten, aber es befriedigt trotzdem den Investor in mir. Egal was ich mache, ich will langfristig etwas erreichen damit. Und Poker ist in dieser Hinsicht toll. Man muss viel investieren, Erfahrungen sammeln, geduldig sein, aber irgendwann zahlt es sich aus.

Hast Du eine konkrete Idee, was Du mit den 1,1 Millionen Dollar anstellen könntest? Oder musst Du die Deiner Verlobten abgeben? Es ist ja genau genommen ihr Geburtstagsgeschenk.
(Lacht) Nein, das weiss ich noch nicht. (Überlegt) Keine Ahnung, ein Haus wäre vielleicht irgendwann mal eine gute Investition. Meine Wohnung in Zürich ist ziemlich bescheiden, da ich in den letzten Jahren mehr Zeit in Hotels und im Flugzeug verbracht habe.

Du läufst also keine Gefahr, Deinen Gewinn in die nächsten High-Stakes-Cash-Games zu tragen und wieder zu verlieren?
Nein, sicher nicht. Wie gesagt, mir geht es beim Pokern nicht darum, möglichst viel Geld zu verdienen. Ich will einfach so gut spielen wie möglich.

Erzähl uns noch etwas zum "Swiss Crystal Poker Club". Da bist Du ebenfalls Mitglied, oder?
Ja, da gehören fünf Spieler dazu: Dieter Albrecht, Roger Suter, Javier Garcia, Janos Molnar und ich. Für uns alle ist Poker eine grosse Leidenschaft, darum haben wir diesen Club gegründet. Die Statuten besagen, dass wir jedes Jahr gemeinsam mindestens drei grosse Turniere besuchen.

Wo geht es in diesem Jahr hin?
In der kommenden Woche werden wir an der EPT in Berlin sein, dann ist das EPT-Finale in Monte Carlo geplant und natürlich die World Series of Poker in Las Vegas.

Richie Friedrich, wir wünschen Dir auch weiterhin viel Erfolg. Ganz herzlichen Dank für dieses Interview.

 
Haben wir etwas verpasst? Hast Du Kritik oder Anregungen, die Du nicht als Kommentar hinterlassen möchtest? Dann schreib uns eine E-Mail an info@pokeraction.ch. Besten Dank!
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