Mittwoch, 17. Februar 2010 - Interview

"Ich war mir eigentlich stets sicher, dass ich mich durchsetzen kann"

Mit seinem Sieg am Main Event der Swiss Poker Master Tour (SPMT) Zürich übernahm der Basler Georg Strebel auch die Führung im Swiss Ranking. Wir wollten vom 33-Jährigen wissen, wie er das Turnier erlebt hat, welche Hände für seinen Sieg entscheidend waren und wie er sich seine Pokerzukunft vorstellt.

Von Lukas Hadorn

Zuallererst herzliche Gratulation zu Deinem Sieg bei der SPMT Zürich. Was für einen Stellenwert hat dieser Turniergewinn für Dich?
Einen sehr hohen. Es war eines der grössten Turniere, die je in der Schweiz stattgefunden haben, und es war ein starkes Feld, obwohl viele Favoriten schon früh die Segel streichen mussten. Für mich persönlich ist es ein schöner Sieg, da ich im letzten Jahr einen Downswing durchlebt habe, und es mir zeitweise schwer fiel, weiter an mein Spiel und meine Fähigkeiten zu glauben. Ich habe zwar immer gewusst, dass ichs kann, aber so eine Bestätigung ist trotzdem schön.

Wie hast Du das Turnier erlebt? Was waren die entscheidenden Momente während der drei Tage?
Es hat sehr gut begonnen, ich konnte meinen Stack schnell aufbauen, obwohl ich in der frühen Phase auch ein paar starke Hände folden musste. Dann gab es eine Phase, in der ich während vier Levels fast nur gefoldet habe und mein Stack bedrohlich zusammenschrumpfte. Aber am Ende des ersten Tages hatte ich noch ein paar gute Hände und konnte schliesslich mit rund 50’000 in Chips abschliessen, was bei dieser flachen Struktur ein gut spielbares Vermögen ist.

Zu Beginn des zweiten Tages musstest Du sogleich den Tisch wechseln.
Ja, das mag ich eigentlich nicht so, aber dieses Mal hatte es sogar was Gutes. Ich erhielt im Big Blind direkt eine spielbare Hand und verteidigte sie mit einem Push gegen einen Raise des Buttons. Kurze Zeit später erhielt ich und machte erneut eine 3-Bet, was der ursprüngliche Raiser mit einem 4-Bet-Shove beantwortete. Das hat er vermutlich auch darum gemacht, weil ich gleich nach Ankunft am neuen Tisch den Anschein eines aggressiven Spielers gemacht hatte. Er dachte wohl, ich 3-bette mit irgendwas, und das muss man ja heutzutage auch können, aber in dieser Situation war dem eben nicht so. Er hielt und ich baute meinen Stack auf rund 120’000 aus.

Wie hast Du es bis an den Final Table geschafft?
Das war nicht ganz einfach, ich war zwischenzeitlich ziemlich carddead und irgendwie gabs ständig Action, wenn ich mal eine halbwegs spielbare Hand hatte. Ich erwischte einfach keine guten Spots. Dann kam es zu dieser Hand mit Rafi Bettio, in der ich wohl einen kleinen Fehler gemacht habe, der aber glücklicherweise zu meinen Gunsten ausging.

Du hattest sein All-In mit den Worten "Ich habe nichts" gecallt...
(Lacht) Ja, ich hielt , damit hatte ich vom Button auf 2,5 Big Blinds geraist, und ich musste die Hand einfach spielen, es war die einzig vernünftige Situation, die sich mir in dieser Phase präsentierte. Ich wusste, dass Rafi nach ein paar unglücklichen Konfrontationen sehr short war, und ich hatte mich schon darauf vorbereitet, dass er möglicherweise all-in gehen würde. Allerdings pushte er dann doch mit relativ viel Überzeugung und hatte auch etwas mehr Chips als ich gemeint hatte, aber bei der breiten Range, die ich ihm da geben muss, konnte ich schlicht nicht mehr folden. Die Odds sprachen ebenfalls dafür, und so machte ich den Call. Er hatte und ich traf den Flop.

An welche wichtigen Hände kannst Du Dich sonst noch erinnern?
Als wir kurz vor dem Final Table waren, kriegte ich und eröffnete mit einem Raise. Pirmin Lustenberger, der zu diesem Zeitpunkt Chipleader war, ging daraufhin all-in und Ralph Kalman überlegte sehr lange, bis er foldete. Ich foldete ebenfalls, und Pirmin zeigte denn auch , Ralph Kalman hatte gefoldet. Zum Glück hatte ich meine Queens nicht gepusht oder sowas blödes, auch das sieht man immer mal wieder. Aber es war schon hart, diese Hand so kurz vor dem Final Table zu folden.

Am Final Table hast Du dann ein paar richtig schöne Geschenke gekriegt...
(Lacht) In der Tat. Aber man muss die Fallen immer zuerst auch aufstellen, damit jemand reinlaufen kann.

Zuerst hattest Du ja Glück, dass Du ein All-In mit gegen dank eines Split Pots überleben konntest.
Stimmt. Obwohl da nicht viel zu machen war. Ich hatte zehn Big Blinds übrig, also pushte ich diese Hand. Dass mein Gegner da hat, ist Pech. Aber zum Glück habe ich das überlebt. Dann kam aber die rückblickend wichtigste Hand des Final Tables. Quan Nguyen callte meinen Raise im Big Blind und checkraiste mich auf einem Flop mit . Dann spielte er Turn und River ziemlich klein an und foldete schliesslich, als ich am River all-in ging.

Laut Live-Ticker hätte er noch rund 25’000 in einen Pot mit fast 600’000 nachzahlen müssen...
Ja, und das kann er eigentlich nie folden. Selbst wenn er nur Dame hoch oder sowas hat muss er für diesen Betrag callen. Das sah ja fast nach Softplay aus. Aber es bestätigte meinen Read, ich gab ihm nämlich keine besonders starke Hand, obwohl er eine Strasse repräsentierte. Er tat, als ob er hätte, ich repräsentierte ein Set mit , aber geglaubt hat keiner dem andern.

In Tat und Wahrheit hattet ihr wohl auch viel weniger. Aber ein fataler Fold war es nicht von ihm, oder?
Nein, das nicht. Aber ich sage nicht, was ich hatte. Es ist wohl spannender für alle Beteiligten, wenn ich das für mich behalte.

Was ist mit der Hand, in der Pirmin Lustenberger sein Paar Damen in Deinen Nut Flush reinpushte?
Das war natürlich irrwitzig von ihm. Es war eine Blind Battle, ich hatte vom Small Blind aus nur gecallt, er checkte, und ich floppte mit die Second Nuts auf einem Flop mit . Er bettete ziemlich viel und ich schaute ihn an und sagte: "Das ist aber ziemlich viel", und machte den Call. Auf dem Turn kam das und nun wusste ich, dass ich die Nuts hatte. Er schaute mich kurz an, überlegte, und ging all-in.

Er wird sich wohl gedacht haben, dass Du ohne den nicht callen kannst.
Klar. Aber wenn ich Angst habe vor dem Flush, dann täten es auch 100’000 als Bet, das hätte wohl den gleichen Effekt. Er muss dafür nicht gleich sein Turnier riskieren. Aber rückblickend war die Hand gegen Quan fast wichtiger, dank dieser Hand baute ich meinen Chipstack auf 600’000 und über Average aus, das hat meinen Spiel enorm geholfen.

Vor wem hattest Du am Final Table am meisten Respekt?
Einen Ralph Kalman darf man nie abschreiben, auch wenn er sehr short war. Quan Nguyen ist ein sehr unberechenbarer Spieler, gleiches gilt für Quach Ut, da war ich froh, dass er früh ausschied. Asghar Naghizahdeh ist ein sehr erfahrener Spieler und auch vor Jörg König hatte ich viel Respekt. Aber ich war mir eigentlich stets sicher, dass ich mich gegen diese Leute durchsetzen kann.

Hast Du grundsätzlich eher tight oder loose gespielt? Welchem Spielertyp würdest Du Dich zuordnen?
Heutzutage ist die Balance entscheidend, man muss sich je nach Gegner komplett anpassen können. Das Spiel ist in den letzten Jahren sicher aggressiver geworden, viele Online-Spieler nehmen ihren risikoreichen Stil auch an die Live-Turniere mit, und da muss man mithalten können. Auf der anderen Seite beweisen Leute wie Theo Steimer, dass man auch mit einem sehr tighten Stil immer noch sehr viel erreichen kann. Um ein solches Turnier zu gewinnen, muss man folden können.

Wie gut war das Spielniveau ingesamt am SPMT Main Event?

Es war ein starkes Feld. Aber wie in fast jedem Turnier in der Schweiz, ob das Buy-In jetzt 100 oder 500 Franken beträgt, hat es ein paar Leute dabei, bei denen man schon früh merkt, dass sie kaum die ersten drei, vier Levels überleben werden. Aber alles in allem ein sehr schönes, gut spielbares Turnier.

Was sagst Du eigentlich dazu, dass in unserem Wettbewerb schon am Samstagmorgen um 10 Uhr auf Dich gesetzt worden war?
Das hat mich ehrlich gesagt riesig überrascht, ich habe ja bis jetzt nicht die wahnsinnigen Resultate vorzuweisen. Ich kenne den Sieger des Wettbewerbs übrigens auch nicht. Aber es hat mich sicher motiviert, auch während des Turniers haben mir Leute gesagt, sie hätten auf mich gesetzt, zum Beispiel Thomas Hofmann. Das macht schon Freude.

Du bist ja auch schon ein paar Jahre dabei. Wie bist Du eigentlich zum Pokern gekommen?
Abgesehen von 5 Card Draw, das ich schon als Kind kennenlernte, bin ich über 7 Card Stud zum Pokern gekommen. Ursprünglich spielte ich nur live, irgendwann bin ich dann über einen Kollegen und die gute alte Paradise-Poker-Software zum Online-Poker gekommen. So habe ich dann auch mit Hold’em angefangen. Ich fuhr dann auch mal ab und zu nach Bregenz zum Spielen, bis es dann in der Schweiz mit den Live-Turnieren losging.

Wie häufig spielst Du?
Das ist sehr unterschiedlich. Zu Beginn des letzten Jahres hatte ich relativ viel gespielt, doch dann hat wie erwähnt die Varianz etwas gegen mich ausgeschlagen und ich hatte eine ziemlich erfolglose Phase. Ich habe zwar gut gespielt und kam auch regelmässig weit nach vorne, aber es hat einfach nie ganz gereicht. Und dann spielt man dann natürlich irgendwann auch etwas weniger, wenn es so schlecht läuft.

Im Moment läuft es Dir wieder sehr gut, Du konntest im Februar auch schon das 300er-Deepstack bei Other Poker gewinnen und führst derzeit das Swiss Ranking an. Nach welchen Kriterien wählst Du eigentlich Turniere aus?
Ich schaue schon, ob es irgendeinen added value gibt, und in dieser Hinsicht hat sich in den vergangenen Monaten viel getan in der Schweiz. Die Veranstalter haben gemerkt, dass sie etwas für die Spieler tun müssen, wenn sie sich in diesem Marktumfeld durchsetzen wollen. Das hat für uns Spieler viel verändert. Ich finde es super, wenn es zusätzlich Turnierpackages zu gewinnen gibt, oder wenn ein Turnier für ein Ranking zählt, bei dem man um Preise, die Teilnahme an einem Finalturnier oder einen Preispool spielt.

Welche Rankings sind für Dich relevant?
In erster Linie das Swiss Ranking, da bin ich ja jetzt auch vorne mit dabei, und seit es da sogar Monatspreise gibt, ist das sicher sehr interessant. Schweizer Skala ist für mich als Basler halt weniger interessant, da es etwas stark auf Zürich und Bern fokussiert ist und die Poker Skala sagt mir ehrlich gesagt nicht viel.

Dank Deines Siegs bei der SPMT wirst Du ja in der kommenden Woche auch an der CAPT in Bregenz spielen. Der Sieger darf gratis mit Rino Mathis und Cem Tasalan am €3000-Teamcup teilnehmen.
Darauf freue ich mich riesig. Es soll ja auch ein illustres Feld am Start sein. Ich gebe sicher mein bestes, mal schauen, ob ich was erreichen kann. Ich werde wohl auch ein paar andere Events spielen, ich hatte eh vor, die CAPT Bregenz zu spielen.

Was steht sonst so auf Deinem Poker-Terminkalender für 2010?
Wie gesagt, ich werde mich aufs Swiss Ranking konzentrieren, sicher die SR-Turniere bei Other Poker spielen und wohl auch ab und zu wieder etwas weiter fahren für ein Turnier. Ich werde allgemein wieder etwas häufiger spielen, im Moment sieht es ja danach aus, als hätte ich die Varianz wieder auf meiner Seite. Die "World Series of Poker" zu spielen, wäre natürlich auch cool, es muss ja nicht gleich das Main Event sein. Mal sehen, ob das schon in diesem Jahr klappt.

Georg Strebel, wir wünschen auch weiterhin viel Erfolg. Ganz herzlichen Dank für dieses Interview.

 
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