"Ich trete lieber gegen die besseren Spieler an"
Am Sonntag gewann Werner Sutter aus Waldkirch (SG) das stark besetzte Abschlussturnier des Swiss Ranking 2009. Im PokerAction-Interview fasst der 38-jährige Versicherungsmakler die wichtigsten Hände zusammen, erklärt, wie ihm seine Vergangenheit als Schweizer Jass-Meister beim Pokern hilft und welche Pläne er für 2010 hat.
Werner, ganz herzliche Gratulation zum Sieg beim “Swiss Ranking Final Table” am Sonntag. Was bedeutet dieser Sieg für Dich?
Ich bin natürlich sehr stolz, immerhin waren am Sonntag die besten Turnierspieler der Schweiz am Start und ich hatte Glück, dass ich als 34. im Swiss Ranking überhaupt noch ins Turnier nachgerückt bin. Es war ein wunderschönes Turnier, und es war wohl auch mein bisher grösster Sieg.
Warum hat am Sonntag alles zusammengepasst? Wie ist das Turnier gelaufen?
Ich habe viele sehr schöne Hände gehabt, und gegen Ende des Turniers kam dann auch ein bisschen Glück dazu, ich war zwischendurch extrem short, hatte noch 7000 Chips bei Blinds 3000/6000...
Wow, wie hast Du Dich da wieder rausmanövriert?
Ich ging am Button all-in und konnte gegen die Blinds verdreifachen, was zusammen mit den Antes einen schönen Pott ergab. Am Final Table waren ja alle Spieler sehr shortstacked, die Blinds waren sehr hoch, und da allgemein sehr tight gespielt wurde, hatte niemand einen sehr grossen Stack.
Wurde Deiner Meinung nach zu tight gespielt?
Ja, vielleicht schon. Man merkte halt, dass sich sämtliche Spieler gegenseitig sehr gut kannten und man einander mit viel Respekt begegnete. Und es stand viel Prestige auf dem Spiel, da wollte keiner früh ausscheiden.
Als noch vier Spieler im Turnier waren, kam es zu einer interessanten Hand: Hans Pfister ging under the gun mit 
all-in, Daniel Walter callte als Short Stack mit 
und Du hattest 
im Big Blind. War das eine einfache Entscheidung, hier Pfisters all-in zu callen? Er hatte ja fast gleich viele Chips wie Du (rund 10BB).
Das stimmt, aber die Blinds waren wie erwähnt derart hoch, dass ich mich eigentlich schon entschieden hatte, die Hand zu spielen, als ich sie gesehen habe. Ausserdem waren wir nur noch zu viert, das All-In von Hans Pfister musste also nicht unbedingt eine ganz starke Hand bedeuten. Dank dieser Hand bin ich dann mit einem 2 zu 1 Chiplead ins Heads-Up gegen Marco Burri gegangen.
Gab es andere entscheidende Hände, die Dir zu Deinem Turniersieg verholfen haben?
Da muss ich fast die Hand gegen Carlo Muscarello erwähnen. Wir waren noch zu fünft oder sechst, ich war im Small Blind, er im Big Blind, und ich raiste etwa meinen halben Stack mit 
um die Blinds und Antes einzusammeln. Carlo hatte etwas weniger Chips als ich und ging all-in, und ich musste natürlich callen, ich steckte da schon zu tief drin. Er drehte 
um, aber das Board brachte eine
und eine
und ich gewann die Hand. Da hatte ich schon grosses Glück. Aber ich kenne es auch andersrum.
Wie lange spielst Du eigentlich schon Poker?
Erst seit 2007. Ich habe früher sehr viel gejasst, 2004 war ich sogar Schweizer Meister im Differenzler. Es gibt viele ehemalige Jasser, die inzwischen Poker spielen, vor allem die jüngeren.
Was konntest Du vom Jassen zum Pokern mitnehmen?
Es ist natürlich ein ganz anderes Spiel, aber das grundsätzliche Kartenverständnis hilft einem schon. Auch die Berechnungen für Wahrscheinlichkeit kannte ich schon vom Jassen her, das funktioniert ja gleich, ob man jetzt 9 oder 7 Karten bekommt. Die Taktik ist eine andere, aber das Spielverständnis ist ein ähnliches.
Aber Pokern ist bedeutend lukrativer.
Oh ja. Für meinen Schweizer Meistertitel kriegte ich damals knapp 2000 Franken, der Einsatz in den Vorrunden betrug 25 Franken. Das ist mit den grossen Pokerturnieren in der Schweiz natürlich nicht zu vergleichen.
Und mit einer EPT sowieso nicht. Als Sieger des “Swiss Ranking Final Table” hast Du Dir ja auch ein 5300-Euro-Ticket für die European Poker Tour in Berlin geholt.
Ja, das ist natürlich grandios. Die Bankroll, um so ein Turnier zu spielen, habe ich nämlich noch nicht, darum freut es mich riesig, dass ich jetzt auf diesem Weg dazu komme. Ich kenne Berlin sehr gut, da ich früher für eine Vermögensverwaltungsfirma in Deutschland gearbeitet habe. Das wird bestimmt eine tolle Erfahrung.
Mit welchen Zielen fährst Du nach Deutschland?
Ins Geld zu kommen wäre natürlich super. Zuerst will ich mal den ersten Tag überleben, dann schauen wir weiter.
Wie oft pro Woche spielst Du eigentlich Poker? Und wo trifft man Dich an?
Ich spiele drei bis vier Turniere pro Woche, eigentlich überall. Am häufigsten spiele ich wohl in der Swiss Pokerlounge oder in Arbon.
Suchst Du Dir Swiss-Ranking-Turniere aus? Oder ist das für Dich Nebensache?
Nein, mir ist das Swiss Ranking sogar sehr wichtig, ich spiele fast ausschliesslich SR-Events. Die Swiss-Ranking-Turniere garantieren einen gewissen Standard, die finden nicht in irgendeiner Höhle statt.
Welche Buy-Ins spielst Du am liebsten?
Ich spiele lieber ein bisschen höher, so in der 200er, 300er Region. Die ganz tiefen Buy-Ins sagen mir nicht so zu, da sind die Gegner in der Regel etwas schwächer und viel unberechenbarer. Ich trete lieber gegen die etwas besseren Spieler an.
Spielst Du auch online?
Ja, aber relativ erfolglos, um ehrlich zu sein. Ich bin zwar nicht viel im Minus, und hatte auch schon ein paar schöne Cashes, aber online fehlt mir einfach die Geduld. Ich bin nicht der Typ, der 6, 7 Stunden vor dem Bildschirm sitzen kann, meist mache ich dann einen unüberlegten Spielzug, und per Mausklick ist das schnell passiert. Am Live-Poker gefällt mir die Gemütlichkeit, der Austausch mit den Gegnern, das Gesellige.
Wirst Du morgen beim Main Event der Swiss Poker Master Tour antreten?
Natürlich, da freue ich mich schon sehr darauf.
Allerdings stehst Du jetzt wahrscheinlich etwas stärker unter Beobachtung Deiner Gegner.
Das kann schon sein. Seit Sonntagabend klingelt ununterbrochen mein Handy und ich kriege Mails von Leuten, die mir gratulieren. Das freut mich natürlich.
Wie sehen Deine weiteren Pläne fürs Pokerjahr 2010 aus?
Ich würde gerne unter die Top 10 des Swiss Ranking kommen. Und möglichst viele CAPT-Events in Österreich spielen. Und wie erwähnt, ein Cash an der EPT in Berlin wäre natürlich auch keine schlechte Sache.
Wir wünschen Dir damit viel Erfolg, Werner. Ganz herzlichen Dank für dieses Interview.
***
Das PokerAction-Spielerprofil von Werner Sutter finden Sie hier.










