Implied Tilt Odds
In meinem Kollegenkreis hat eine Pokerrunde Tradition, das "Thursday Night Game". Immer am Donnerstag treffen wir uns bei jemandem zu Hause und zocken mehr oder minder ernsthaft um etwas Kleingeld, für die einen steht dabei das Spiel im Mittelpunkt, andere interessieren sich eher für Pizza, Bier und die Frage, wer denn nun von allen Spielern die dicksten Eier habe.
Im Verlaufe des Abends steigt die Höhe der gespielten Pots jeweils in linearer Korrelation zum Alkoholkonsum an, die Siegerhände werden immer zufälliger, die Zwischenrufe immer lauter und unflätiger, und da ich mich selbst eher zu den ambitionierten Spielern zähle, die ihren ganzen Stack lieber nicht mit Bottom Pair no Draw in die Mitte stellen, bin ich in den späten Phasen des Spiels ein bevorzugtes Opfer der Maniacs an unserem Tisch, die irgendwann gemerkt haben, dass man mich mit genügend Nachdruck auch von einer guten Hand bluffen kann.
Das wiederum hat zu zweierlei geführt: Zum einen habe ich vom Thursday Night Game mit schöner Regelmässigkeit einen dicken Gewinn mit nach Hause genommen, zum anderen kriegte ich immer mal wieder einen Bad Beat vor den Latz geknallt, und mit Bad Beat meine ich weder AK < AQ noch AA < KK, sondern so richtig blutige Runner-Runner-Bullshit-Geschichten, und das nicht selten für meinen gesamten Stack. Ein Beispiel? Ich raise 88 preflop, ein Spieler callt mich (out of position, naturgemäss) mit KTo, donkt dann auf einem Flop von AT8 in mich rein und snapcallt meinen All-In-Shove. Für 150 Big Blinds. Turn und River erspare ich Ihnen. Und mir.
Irgendwann hatte ich mir jedenfalls den Ruf eingehandelt, etwas schnell die Nerven zu verlieren, wenn meine Gegner mal wieder auf ganz schmalen Pfaden wandelten. Als mir dann einer der besseren Spieler anvertraute, auch er habe inzwischen damit begonnen, mich mit marginalen Händen zu callen, aufgrund der (Zitat) "Implied Tilt Odds", wusste ich, dass es Zeit war für einen Neujahrsvorsatz. Ich musste aufhören zu tilten. Nur stoische Gleichmut würde meinen Gegnern den Spass an der Schadenfreude verderben. Ich las "Elements of Poker" von Tommy Angelo und wähnte mich bestens gerüstet.
Bis vergangenen Donnerstag. Zuerst spielten wir ein Sit'n'Go, das ich auf der Bubble beendete, nachdem ich in einer denkwürdigen Hand die Hälfte meines Stacks verloren hatte. Wir waren noch zu fünft im Turnier, vier Spieler kamen ins Geld, und ich fand QQ auf dem Button. Mein Stack war auf rund 20 Big Blinds geschrumpft, nur ein Spieler hatte noch etwas weniger (rund 12 Big Blinds), und genau der war es auch, der nun im Small Blind meinen 3x Raise bezahlte. Der Flop kam J-3-2, mein Gegner ging all-in, ich snapcallte, er zeigte... J2. Er habe halt gedacht, dass er massive implied odds bekäme, wenn er seine Hand treffe, versuchte sich mein Gegner zu rechtfertigen. Massive Implied Odds! Mit 9 Big Blinds behind in einem 7-BB-Pot!! Falls er damit Implied Tilt Odds meinte, hatte er vermutlich recht. Ich versuchte, ruhig zu bleiben und die aufschäumende Wut zu unterdrücken. Dass ich kurz darauf mit meinen verbleibenden 8 Big Blinds bubbelte, trug nicht eben zur Verbesserung meiner Gemütslage bei.
Den Rest gab mir das Cash Game. Ich hatte mit AQ im Cutoff eröffnet und einen Call von einem Maniac im Big Blind gekriegt, der auf einem Board von Q-T-6-5 meine potsize C-Bets auf dem Flop und auf dem Turn check-callte. Den River, eine 7, checkte ich behind, und fragte ihn, ob er jetzt etwa auf mirakulöse Weise noch eine Strasse zusammengebastelt habe, ich hätte nämlich "nur" Top Pair Top Kicker.
"Nein", sagte mein Gegner, er habe lediglich eine Sechs. Er drehte die eine Karte um und wartete ein paar Sekunden. Dann deckte er ganz langsam auch die andere Karte auf. "Und eine Sieben! Two Pair auf dem River, Baby!" Er verteilte High Fives an seinen Sitznachbarn, der von seiner Fähigkeit, zwei schlechte Calls und einen Slowroll in einer einzigen Hand machen zu können, schwer beeindruckt zu sein schien, und ich wusste, dass das mit meinem Neujahrsvorsatz nichts werden würde.
Vielleicht hatte ich mit dem Plan, nicht mehr zu tilten, ganz einfach den falschen Ansatz gewählt.
Mein geänderter Neujahrsvorsatz lautet: Ein neues Home Game finden.
sind das kollegen vom asiatischen raum? :)
Ein paar ja, aber mehrheitlich betrunkene Amis.
RUF - MICH - AN!!!!
Bad Beat Hotline 24/7 - Ganz privat! 0900 234 56 78. nur Fr. 7.50 / min.
RUF - MICH - AN!!!!
ok - auf der anderen Seite gibt es Bad Beats ueberall. Ich persoenlich rege mich bei Homegames - vorallem noch mit Anfaengern dabei - ueberhaupt nicht mehr auf. Die callen alles - treffen oft usw. Da ist mir der soziale Aspekt VIEL WICHTIGER - gewinnen kann man, aber man kann eben auch verlieren.
Das gleiche gilt fuer die vielen Freerolls. Boris Becker, Stefan Raab, SWISSGOESVEGAS, IRISH OPEN, EPT Berlin usw.
Weil es gratis ist, hauen einem die SpielerInnen die Karten nur so um die Ohren. Die sind in der Lage gleich in der ersten Hand mit K8 oder 34 all in zu gehen...
("es gibt ja bald wieder ein Freeroll")
Man muss dann die Strategie ein wenig aendern und anpassen - dann kann man diese Minenfelder mehr oder weniger gut ueberstehen, resp. evtl ganz auslassen.









» Koller Marcel
well done!!!
» Daniel Walter
danke euch allen vielmals für die netten worte! e...
» Cem Tasalan
eigentlich gönne ich dir deinen erfolg nur schon....
» Salko Odzini
gratuliere dir ganz herzlich dani du bisch de lebe...
» Martin Bertschi
Hallo Daniel, Gratuliere Dir zu dieser Superwoc...